Romi: Organspenderausweise kriegst Du jedenfalls beim Hausarzt, evtl. auf der Gemeinde, evtl. in der Kirche, an allen möglichen Stellen. Wenn Du willst, schicke ich Dir welche zu, ich glaube, ich habe noch zwei. Aber ggf. kann der Hinterbliebene auch noch nachträglich die Einwilligung geben oder verweigern, ob mit oder ohne Organspenderausweis.
Ich habe einen Organspenderausweis, oder vielmehr schon den mindestens dritten, weil sie halt irgendwann auseinanderfallen.
Ich gehe nach Möglichkeit auch zum Blutspenden und bin in der Knochenmarkspender-Datei registriert.
Zum einen ist es mir ziemlich egal, was nach meinem Tod mit meinem Körper passiert, das ist dann nur noch totes Gewebe, nicht mehr ich.
Zum anderen habe ich auch nicht wirklich Angst vor meinem Tod. Vor dem Sterben und den damit verbundenen Schmerzen, Siechtum usw. schon, und wie! Aber nicht vor dem Tod als solchem. Kommt zum Teil wohl aus meinem unbedingten Vertrauen in Gott heraus. Zum Teil auch, weil ich der Überzeugung bin, daß es "danach" besser sein wird, in welcher Form auch immer.
Die Angst, daß zu früh entnommen wird und ich sozusagen wegen meiner Organe geopfert werde ... ich kann es verstehen, auch wenn ich selber nicht so empfinde. Die Begründung steht eigentlich in dem Absatz vorher. Ein wenig Schicksalsergebenheit kommt dazu.
Wenn ich schon mal im Koma liege (und ich gehe davon aus, daß ich dann eh nichts mehr mitkriege), dann kann auch endgültig Schluß sein. Wieder aufwachen ohne bleibende Schäden nachdem man eine halbe Ewigkeit "weg" war, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Das ist jetzt nicht medizinisch begründet, sondern nur meine Überzeugung.
Da es keine Kinder oder andere Angehörige gibt, die von mir abhängig wären, tue ich mir da vielleicht auch leichter.
Es mag vorkommen, daß bei jemandem zu früh entnommen wird. Es kommen auch Kunstfehler von Ärzten vor. Es verunglücken täglich Leute tödlich mit dem Auto. Hausfrauen stürzen beim Fensterputzen aus dem Fenster und sind tot. Usw. usf.
Ich glaube, es wird klar, was ich damit sagen will. Die Möglichkeit besteht. Die Wahrscheinlichkeit ist seeeehr gering, alle anderen Todesarten sind wahrscheinlicher. Trotzdem putzen wir unsere Fenster und fahren täglich mit dem Auto. Und ich werde mir am Mittwoch auch ein paar Muttermale rausschneiden lassen, die nicht ganz so aussehen, wie sie aussehen sollten. All das halte ich für gefährlicher als durch meinen Organspendeausweis zu sterben. Ich tue es trotzdem.