*schmunzel*
Eine alternative Aschenputtel-Version kann ich auch bieten.
(Könnte sein, dass sie schon mal hier im Forum steht.)
Es war einmal ein junger Prinz, der alles hatte, was er sich hätte wünschen können, bis auf eines. Seine Zukunft war festgelegt worden und er würde sie nicht ändern können. Er würde einmal seinem Vater auf den Thron folgen, eine junge Frau heiraten und Vater eines Thronfolgers werden. Eigentlich waren die Eltern des jungen Prinzen sehr liberal, was ungewöhnlich für ein Königsehepaar in dieser Zeit war, aber in diesen Punkten würden sie konservativ bleiben. Lange stritt der junge Prinz mit seinen Eltern, aber vergebens. Schließlich gab der hübsche Prinz nach und willigte ein, sich bald zu verheiraten. Seine Eltern gaben ein großes Fest, nur damit der Prinz sich eine passende Gemahlin wählen könnte.
An diesem Abend stand der Prinz mit seinem geliebten Freund und erstem Kammerdiener am Rande des Saales.
"Nein, rechtfertigt Euch nicht, mein Prinz!"
"Euch? Seit wann.."
"Es ist besser so, Majestät." Die traurigen Augen des jungen Mannes straften seinen Worten Lügen.
"Ich will es nicht, das weißt du doch, oder?"
"Nein, mein Prinz, bitte. Ich will auch das Ihr es tut."
Der Prinz sah überrascht zu seinem Kammerdiener, der ihn ernst betrachtete. Schließlich nickte er und ein unangenehmes, bisher nicht gekanntes Schweigen breitete sich zwischen den beiden aus.
Sie wurde von einer älteren Adligen unterbrochen, die ihre beiden attraktiven Töchter dem Thronfolger vorstellte. Der Prinz seufzte nur für seinen Freund hörbar auf und willigte ein, mit einer der beiden Damen zu tanzen.
Danach war die Zurückhaltung der Damen, vor allem aber der kuppelnden Mütter, vergangen.
Der junge Prinz tanzte ein Dutzend Tänze mit ein Dutzend ledigen jungen Frauen, schließlich ging er auf einen der Balkone um sich ein wenig auszuruhen. Aber als er den ersehnten Ruheplatz erreicht hatte, lief er in eine junge Frau hinein. Beide entschuldigten sich sofort für ihre jeweilige Ungeschicklichkeit. Der Prinz merkte sofort an ihrer Art zu sprechen, dass sie keine Angehörige der Oberschicht sein konnte. Sie sah auch nicht so aus. Er betrachtete seine Gegenüber. Das Mädchen war noch sehr jung, vielleicht vierzehn, sie war keine Schönheit, nicht zu vergleichen mit den ausgeschmückten Töchtern, mit denen er eben noch getanzt hatte. Aber die Kleidung des Mädchens war hoffähig, der Prinz runzelte nachdenklich die Stirn. "Darf ich nach Eurem Namen fragen, meine Dame?", fragte er höflich.
Sie kamen ins Gespräch, der Prinz bereute es fast schon, das Mädchen angesprochen zu haben, den sie hatte sich als Plappermaul entpuppt, aber, das Mädchen hatte in ihm nicht den Prinzen erkannt, nach kurzer Zeit schüttete sie ihm ihr Herz aus. Sie erzählte von der bösen Stiefmutter und den gemeinen Stiefschwestern, dass sie Vollwaise wäre und und und. Dem Prinzen, der nicht viel mehr als Ja und Nein sagen musste, kam langsam eine Idee.
Warum sollte er nicht dieses fast bäuerische Mädchen heiraten? Sie würde sich bestimmt nicht beschweren, wenn sie merkte, dass ihr Ehegatte wenig Gefallen an ihr fand, so lange sie ein besseres Leben im Schloss führen konnte und fort von ihrer Stiefmutter war. Und in seine Politik würde sie sich erst Recht nicht einmischen, seiner Meinung nach, hatte sie keinen großen Ehrgeiz in diese Richtung. Und vielleicht würde er auch irgendwann einen Thronfolger zeugen, aber nicht zu bald, da würden sogar seine Eltern zustimmen, das Mädchen war noch zu jung. Ein Lächeln breitete sich langsam auf seinen Zügen aus.
Als er dann auch einmal zu Wort kam, fragte er sie ganz direkt, ob sie ihn heiraten wolle. Das Mädchen schaute ihn sprachlos an, die Uhr schlug passend die zwölfte Stunde. Sie erwachte aus ihrer Abwesenheit, ohne für den Prinzen erkennbaren Grund stürzte das Mädchen aus dem Saal.
Perplex blieb der Prinz stehen und sah ihr nach, dann fluchte er und setzte ihr nach. Die verwirrten Blicke der anderen Gäste bemerkte er gar nicht.
Der Prinz hatte seine Auserwählte schon aus den Augen verloren, als er auf der großen Treppe fast über einen Schuh gefallen wäre. Er hörte die Schritte verhallen, die eindeutig von einem beschuhten und einem nackten Fuß stammten. Der Prinz sammelte den Schuh auf und ging zurück zum Tanzsaal, dort verkündete er, diejenige, welche den zweiten Schuh besitze und das Paar auch tragen konnte, diejenige wollte er heiraten. Seine Mutter, die Königin, schlug vor Begeisterung über soviel Romantik die Hände zusammen, der König lachte auf und des Prinzen Kammerdiener verließ allein den Saal.
Wenige Monate später war die Besitzerin der Schuhe endlich gefunden und es wurde eine große Hochzeit gefeiert.
Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute.
(c) unbekannt