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Thema: Der arme Schweizer

  1. #1
    Meister(in) Avatar von lukasn
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    Beitrag Der arme Schweizer

    Der arme Schweizer,
    ein Drama aus einem weltfremden Land in der Mitte Europas.

    Mittlerweile dürfte auch nicht-Schweizern bekannt sein, dass die Eidgenossen am Sonntag dem 29.11.2009 über eine von der Schweizer Volkspartei (SVP) unterstützte Volksinitiative abgestimmt haben. Für die die davon noch nichts wussten hier eine kurze Zusammenfassung:
    Irgend ein Kleinbürger regt sich darüber auf, dass seine Aussicht von einem Minarett verbaut werden soll. Also mietet er für viel Geld einen Advokaten der ihm folgenden Einzeiler abliefert:
    Art 72 Abs. 3 (neu)
    Der Bau von Minaretten ist verboten
    Nun gut, bewaffnet mit diesem Schriftstück fängt unser Kleinbürger also fleissig an, Unterschriften zu sammeln. Zu dieser Zeit sieht noch keiner einen Grund diese Initiative besonders ernst zu nehmen. Aber siehe da, wider allen Erwartungen finden sich genug Leute die ihre Intoleranz durch eine Unterschrift festigen wollen.
    Die Initiative kommt also vor die Bundesversammlung, wird dort begutachtet und für valide befunden. Gegenvorschlag gibt es keinen, nur die Empfehlung an Volk und Stände, die Initiative abzulehnen.
    Die UN warnt, dass die vorgeschlagene Verfassungsänderung gegen die Religionsfreiheit verstossen könnte.
    Auch weiterhin sehen die Liberalen und Linken keine ernst zu nehmende Gefahr, einzig das Plakat der SVP schlägt ein wie eine Bombe, die ganze Weltpresse macht Gratiswerbung für die Volkspartei und die fragwürdige Initiative.

    Am letzten Novemberwochenende ist es dann soweit, das Volk geht an die Urne. Schon am Sonntagmorgen zeichnet sich ab, dass die Chancen für ein Ja gut stehen. Sonntagnachmittag dann der Moment der Wahrheit: Das Schweizer Volk nimmt die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» - in manchen Kantonen mit überwiegender Mehrheit - an.

    Die Folgen tragen alle. Auch in den 4 Kantonen, die die Initiative abgelehnt haben. Wie kann man sich als neutrales oder liberales Land verkaufen und dann so einen Mumpitz in die Bundesverfassung aufnehmen? JEDE STUNDE bimmeln in JEDER STADT mehrere Kirchtürme und verkünden die Zeit. Sollten wir jetzt nicht auch alle Kirchenglocken stilllegen und den Bau weiterer Kirchtürme verbieten? Oder hat man sich schlicht gedacht, "he, die Schweiz hat ihren Ruf in den letzten 2 Jahren noch zu wenig ruiniert, lass uns das noch etwas weiter auf die Spitze treiben" (*hust*steueroaseanyone?*hust*)

    Ach, und ganz nebenbei: Am gleichen Wochenende wurde über eine weitere Volksinitiative abgestimmt, die ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten vorhersah. Diese wurde in JEDEM Kanton abgelehnt, mit einer durchschnittlichen Zustimmung von knapp 30%

    FAZIT: Bisher habe ich mich eigentlich ganz wohl gefühlt als Schweizer. Nach diesem Sonntag macht man sich jedoch ernsthafte Gedanken, nach Kanada auszuwandern
    Achtung: Dies ist ein alter Thread im HTML und Webmaster Forum
    Diese Diskussion ist älter als 90 Tage. Die darin enthaltenen Informationen sind möglicherweise nicht mehr aktuell. Erstelle bitte zu deiner Frage ein neues Thema im Forum !!!!!

  2. #2
    Thonixx
    Gast

    Standard AW: Der arme Schweizer

    Hey ich komm mit nach Kanada, alles klar?

    Mir reichts schon langsam, hab jetzt seit gestern schon so viel drüber diskutiert, dass ich einfach keine Lust hab hier nochmal alles aufzulisten.

    Meine Meinung ist ganz einfach formuliert:
    Ich schäme mich neuerdings ein Schweizer zu sein, das Resultat ist sehr rassistisch und diskriminierend.
    Jetzt ziehen einfach immer mehr Länder auch nach und machen ebenfalls solche Initiativen.
    Die Islamisten tun mir langsam leid, denn sie können doch gar nichts dafür.

    Wir bauen schliesslich auch überall unsere Kirchen, also wo liegt das Problem an Minaretten?
    In Winterthur, wo eins steht, stört es keinen Anwohner, laut einer Umfrage von Radio TOP (www.toponline.ch).
    Aber die SVP hats mal wieder geschafft die Schäfchen (wir Schweizer) aufzuscheuchen und Angst zu machen.

    Zur Kriegsmaterial-Exporte-Initiative sag ich auch nicht mehr viel.
    So werden also Millionen von Zivilisten weiterhin mit Schweizer Qualitäts-Waffen niedergemetzelt.
    Schweizer Waffen sind der Grund vieler Morde und Todesfälle.
    Ich finde das unbegreiflich, aber auch da hat die SVP wieder mal die Finger im Spiel und macht Panik im Volk mit der Meinung, dass die ach so wertvollen Arbeitsplätze verloren gingen.

    Ich hasse diese Idiotie nur einer Partei hinterherzurennen, ohne sich eine eigene Meinung zu bilden.
    Minarette beissen nicht und Exportverbote sind nur zum Guten von MILLIONEN von Menschenleben.

    Aber leider ist die Politik hoffnungslos verloren, solange die SVP noch an der Macht ist.
    Da nützen meine Links-Stimmen auch nicht viel, was mich aber nicht davon abhält, ab nächstem Jahr kräftig und überall abzustimmen.

    Mein Fazit:
    Wer macht mit mir ne WG in Kanada oder Neuseeland?
    Oder gar in Deutschland?

  3. #3
    Prinz(essin) Avatar von Alienx
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    Standard AW: Der arme Schweizer

    Ich glaube, das Problem ist nicht einfach, dass der Antrag angenommen wurde. Man sollte sich auch vor Augen halten, dass das eine mehr oder weniger unweigerliche Folge der großteils selbstverschuldeten Ausgrenzung muslimischer Gruppen aus der übrigen Gesellschaft ist. Wenn nicht diese Gruppen so sehr als Staat im Staate auftreten würden, hätten wohl auch weniger ein Problem damit, Minarette bzw. Moscheen in der Öffentlicheit zu sehen.

    Die Lösung kann ja trotzdem nicht darin bestehen, den Minarettbau grundsätzlich zu verbieten. Letztlich ist es auch eine Frage, wie die islamischen Gesellschaften effizient in die Gesellschaft assimiliert werden können. Es ist ja doch ein Faktum, dass sich ein Großteil immer noch effizient weigert, die eigene Kultur im Staate aufgehen zu lassen. Wenn Moslems als integrierte Staatsbürger (das bezieht sich auch auf Länder außerhalb der Schweiz) auftreten würden (also auch hinsichtlich Sprache (natürlich), z.B. Kleidung und Benehmen) wäre es wohl kein größeres Problem, den Bau von religiösen Einrichtungen zu gestatten. Das Ziel sollte immer sein, solch eine Harmonie zu ermöglichen. Aber ein bloßes, naives Nebeneinander ist schlechterdings einfach nicht denkbar. Es kann nicht einen zweigeteilten Staat geben (das wäre die Folge der weiteren Ab- und Ausgrenzung), der auf Dauer kulturell überlebensfähig wäre.

    Um auf die Kirchen zu kommen : Das Christentum in seiner pietistischen bzw. lutherisch-orthodoxen oder katholischen Form ist in Europa über nahezu 1500 Jahre gewachsen und entsprechend der Sitten germanischer, slawischer und romanischer Völker an die eigene Kultur angepasst worden und mit ihr mitgewachsen. Der Islam tat dies nicht. Es ist nur logisch, dass er als Fremdkörper in einer christlich geprägten Gesellschaft erscheint. Natürlich heißt das nicht, dass wir nicht auch für ihn offen sein sollten. Aber es bleibt dabei die Frage, inwieweit diese Toleranz gehen darf/soll. Wenn wir wirklich unsere Kultur erhalten wollen (was der Islam auch versucht), dann müssen wir den Islam auf Dauer integrieren, aber nicht blindlings abstoßen oder naiverweise als gleichberechtigten Staat im Staate betrachten. Das birgt nur Konfliktpotenzial. Man sollte auch eine umfassende Dialogbereitschaft erwarten können. Und zwar nicht von einzelnen Personen, sondern von der Gruppe an sich. Der Islam darf sich nicht abschotten. Entwerder er wird integriert oder abgestoßen - und das hat nichts mit Rassismus oder Intoleranz zu schaffen.

    MfG


  4. #4
    Forum Guru Avatar von The User
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    Standard AW: Der arme Schweizer

    @lukasn
    Naja, ein Image von liberaler Niedrig-Steuer-Politik und Bankgeheimnis hat denke ich wenig mit dieser Volksabstimmung zu tun. Ich würde keineswegs das Minarettverbot als Fortsetzung der Bankgeheimnisses sehen. Ich nehme stark an, dass die Befürworter vom einen ganz andere sind als die vom anderen (mit großen Schnittmengen natürlich, also eher zufällig/orthogonal). Man kann es höchstens als Machtkampf ansehen, nachdem man mit dem Bankgeheimnis verloren hat (so die Frankfurter Rundschau), dazu weiß ich jedoch zu wenig über die Politik in der Schweiz.

    @Thonixx
    Pass mit dem Wort Islamisten auf, Islamisten müssen einem nicht leid tuen.
    Das mit den Waffen ist dann typisch C-Partei: Kein Idealismus, dafür das ein oder andere Horror-Gesetz.

    @Alienx
    Du verallgemeinerst mal wieder zu stark. Der Islam schottet sich nicht ab. Menschen schotten sich ab, und zwar Mitteleuropäer und Muslime. Minarettbau ist irrelevant, denn es muss sowieso im Einzelfall entschieden werden, ob es eine Baugenehmigung gibt, und ein Türmchen ist auch ansonsten einfach nur irrelevant. Ein Minarettverbot dagegen steht der Religionsfreiheit entgegen, soetwas kann einfach nicht sein. Integration hin oder her. Auch von einer Ignoranz westlicher Kultur kann überhaupt keine Rede sein, denn zum ersten gibt es viele Kompatiblitäten, zum zweiten akzeptieren die meisten Muslime auch unsere Grundwerte und zum dritten sollte man nicht vergessen, an wen man in der Türkei glaubt: An Gott und Attatürk. Damit ergibt sich schon eine breite kompatible Masse unter den Muslimen. Und ich bin auch davon überzeugt, dass sehr viele in sozial problematischen Lagen befindliche Muslime im Grunde genommen auch unsere Grundwerte teilen und Hass und Abgrenzung durch sozialen Druck von Muslimen und Westeuropäern entsteht.


    Übrigens sehe ich die Geschehnisse in der Schweiz nicht als Argument gegen Plebiszite. Es sollte allerdings in einem Rechtsstaat klar sein, dass keine Volksabstimmung über verfassungswidrige Punkte stattfinden darf. So etwas hätte ein (Verfassungs-)Gericht abwenden müssen, aber das haben die Schweizer ja nicht...
    Geändert von The User (01.12.2009 um 01:50 Uhr)

  5. #5
    Prinz(essin) Avatar von Alienx
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    Standard AW: Der arme Schweizer

    Zitat Zitat von The User Beitrag anzeigen
    Der Islam schottet sich nicht ab.
    Das liegt im Wesen des Islam, ein Erbe der jüdischen Kultur (vergleichbares im Christentum).

    Zitat Zitat von The User Beitrag anzeigen
    Menschen schotten sich ab, und zwar Mitteleuropäer und Muslime.
    Stimmt, aber der Islam tendiert in eine extremere Richtung. Generell hast du recht : Leider werden viele Muslime auch einfach abgeschottet.

    Zitat Zitat von The User Beitrag anzeigen
    Ein Minarettverbot dagegen steht der Religionsfreiheit entgegen, soetwas kann einfach nicht sein. Integration hin oder her. Auch von einer Ignoranz westlicher Kultur kann überhaupt keine Rede sein, denn zum ersten gibt es viele Kompatiblitäten, zum zweiten akzeptieren die meisten Muslime auch unsere Grundwerte und zum dritten sollte man nicht vergessen, an wen man in der Türkei glaubt: An Gott und Attatürk. Damit ergibt sich schon eine breite kompatible Masse unter den Muslimen. Und ich bin auch davon überzeugt, dass sehr viele in sozial problematischen Lagen befindliche Muslime im Grunde genommen auch unsere Grundwerte teilen und Hass und Abgrenzung durch sozialen Druck von Muslimen und Westeuropäern entsteht.
    Da kann ich im Kern (fast) wortlos zustimmen. Meine auch nicht, gegenteiliges behauptet zu haben. Bin auch für Integration und am Ende hoffentlich Assimilation (aber nicht Assimilation des Islam durch unsere Kultur). Ansonsten meine ich auch, dass dieser Exklusivitätsgedanke nicht allen zu eigen ist. Aber man muss sein Augenmerkt immer auf das Wesen der Sache bzw. die große Masse richten und dann erst auf die Ausnahmen. Dennoch sind diese Ausnahmen natürlich zahlreich. Toleranz kann wohl von allen Seiten gefordert werden, ob Europäer oder Muslim.

    MfG


  6. #6
    Forum Guru Avatar von The User
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    Standard AW: Der arme Schweizer

    Naja, weshalb bringst du denn den Integrationskram als Bedingung für Minarettbau?

  7. #7
    minder
    Gast

    Standard AW: Der arme Schweizer

    Hi, Ich bin auch schweizer und ich finde Leute die sich in der Schweiz aufhalten möchten sollen sich auch einbischen an die Schweizer gegebenheiten anpassen. Das mit den Minaretten: Der Hauptzweck eines minaretts ist ja damit man die Gebete über die ganze Stadt singen kann. Jedoch kann man das eh nicht da es Ruhe störung ist. Somit haben die minarette ihren Zweck verloren. Ausserdem sind die zwei die in der Schweiz schon stehen nicht gerade schön nur einfach Beton klöze. Ausserdem können wir auch nicht einfach in den Irak und dort eine Kriche aufstellen, die würden etwa das selbe machen.

    Ich finde das Verbot sinvoll, somit setzt man auch gewisse Grenzen. Es hat nichts mit Rassismuss oder Religionsfreiheit zu tun. Sie können ihre Gebeträume immer noch bauen nur halt die Minarette nicht. Die sie eh nicht wirklich gebrauchen können

  8. #8
    minder
    Gast

    Standard AW: Der arme Schweizer

    Zitat Zitat von Thonixx Beitrag anzeigen

    Zur Kriegsmaterial-Exporte-Initiative sag ich auch nicht mehr viel.
    So werden also Millionen von Zivilisten weiterhin mit Schweizer Qualitäts-Waffen niedergemetzelt.
    Schweizer Waffen sind der Grund vieler Morde und Todesfälle.
    Ich finde das unbegreiflich, aber auch da hat die SVP wieder mal die Finger im Spiel und macht Panik im Volk mit der Meinung, dass die ach so wertvollen Arbeitsplätze verloren gingen.

    Ich hasse diese Idiotie nur einer Partei hinterherzurennen, ohne sich eine eigene Meinung zu bilden.
    Minarette beissen nicht und Exportverbote sind nur zum Guten von MILLIONEN von Menschenleben.
    Und was ist mit den Angestellten der Pilatus Werke? Schlisslich sind die PC-21 genaugenommen auch Kampfflugzeuge!

  9. #9
    Kaiser(in) Avatar von Elvis
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    Standard AW: Der arme Schweizer

    Zitat Zitat von Alienx Beitrag anzeigen
    Stimmt, aber der Islam tendiert in eine extremere Richtung.
    Wie nennen sich die Leute, die überall auf der Welt Kriege wegen Öl anzetteln? Ach ja, Amerikaner. Und das sind bis auf die paar Baptisten und Mormonen doch Christen oder? Fail!

  10. #10
    Thonixx
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    Standard AW: Der arme Schweizer

    @minder:
    Informier dich nochmal, wir haben 4 Minarette
    Und mich stören sie nicht, auch wenn ich daneben wohnen würde.

    Ein Muezzin schreit zurzeit ja nicht und wird wahrscheinlich auch nicht, da dies durch unsere vorherigen Gesetze verboten würde.
    Aber für mich ist das Thema abgehakt, das kann man als Privatperson nicht mehr ändern.

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