• Entwickler: Infinity Ward
  • Publisher: Activision
  • Sprache: deutsch
  • Plattform: PC
  • ISBN: 5030917071119


Um kaum ein Spiel ... ach was! Um kein anderes Spiel gab es dieses Jahr mehr Theater, als um "Modern Warfare 2". Mitten in die kuschelige Stimmung der Vorfreude platzen die Bomben "keine Dedicated Server", "keine Modifikationen", "STEAM-Pflicht" usw.

Nach anfänglichem Unglauben ging es dann in den Communities und sicher auch in vielen Clans so richtig zur Sache. Die PC-Community sah ihr langjähriges und aufopferndes Engagement um die vorherigen "Call of Duty"-Teile mit Füßen getreten. Konsolenbesitzer konnten da nur lachen, denn die waren ja schon bei den vorherigen Teilen zum reinen Konsum verdammt. Abfällige Äußerungen der Entwickler fachten die Emotionen hier noch mehr an und es bildeten sich recht früh Pro- & Contra-Fraktionen. Ohne hier in's Detail gehen zu wollen, kann man sagen, dass die Schritte die Infinity Ward mit dem Teil 6 gegangen ist, in der PC-Gemeinde wohl überwiegend kein positives Echo gefunden haben. Aber das kann dem Entwickler und Publisher bei rückläufigen Verkaufszahlen im PC-Sektor und einem Gesamtanteil am Verkauf von ~ 11% auch egal sein.

Die Spielereihe soll auf Gewinnmaximierung getrimmt werden und da sind alle bekannten Schritte von Infinity Ward als völlig schlüssig zu bezeichnen. Wer es nicht mag, darf es nicht honorieren.

Ich möchte meinen Test diesmal etwas anders gestalten als bei den bisherigen Spielen. Eine klar gegliederte Analyse findet man ja auch in allen Spiele-Magazinen, so dass ich mich hier auf eine etwas unkonventionelle Betrachtungsweise verlasse.
Und eins sollte auch klar sein: es wird weiterhin keinen Bewertungkasten geben, sondern nur meine subjektive Meinung zum Spiel. Ein klassischer Review also.


So nun geht’s also los:

... nach einiger Verspätung (Metacritic sei Dank) kann nun auch ich mir den 6. Teil der "Call of Duty"-Reihe ansehen. Im Vorfeld gab es ja genügend Konfusion darum, ob "Modern Warfare 2" den Namenszusatz "Call of Duty" tragen wird. Schlußendlich ist er dabei und da schauen wir mal, ob auch ein CoD drin steckt.

Die Verpackung kommt in der Standard-DVD-Box daher und beinhaltet 2 DVD's und eine kurze Anleitung, die aber eigentlich nichts aussagt. Da geradlinige Shooter aber auch keiner größeren Einführung bedürfen geht das ganz sicher in Ordnung.
Gut, dann also mit der 1. DVD ab in die "Schublade" ... Installer startet und ruft direkt STEAM auf. Dann folgt der normale Installationswahnsinn (EULA, Key, *warten* *warten*, Updates ziehen *warten*) und das Spiel liegt auf der Platte.

Ok - dann mal ran an den Singleplayer - und schon geht's ab ins Bootcamp. Die Parallelen zum 1. Teil sind unverkennbar. Allerdings landen wir diesmal direkt in der staubigen Wüste und absolvieren einen Art Fähigkeitstest. Das hatte in CoD4 schon prima funktioniert und bietet auch diesmal eine gute Möglichkeit den passenden Schwierigkeitsgrad für die folgenden Missionen zu finden. Dabei prangt einem an jeder Ecke die aufgebohrte CoD4-Engine entgegen: hochaufgelöste Texturen, butterweiche Animationen, Unmengen an Effekten und eine stimmige Soundkulisse runden den ersten Eindruck ab. Im Prinzip fühlt man sich sofort "zu Hause".



Die nächsten Missionen gestalten sich alle sehr hektisch. Man bekommt ein klares Ziel und muss sich den Weg freischießen. Ein wenig Glück, Geschick, viele Ecken zum Regenerieren und jede Menge Klicks später ist die Mission geschafft. Eigentlich recht ähnlich zum Vorgänger. Jedoch schaffte der es durch spannende und dramaturgisch ausgefeiltere Passagen die Storie besser zu transportieren. Nach meiner 1. Stunde Singleplayer in MW2 habe ich hauptsächlich hektisches Geballer in Erinnerung und nicht das Gefühl, dass mir mein Alter-Ego irgendwie bewusst geworden wäre.

Ich hoffe das wird nicht falsch verstanden. Die Inszenierung ist (wie erwartet) sehr cineastisch und erfreut das Zockerherz, denn hier und da erzeugt es einfach auch ein tolles Mittendrin-Gefühl. Die Charaktere im 1. Teil konnte man jedoch besser nachempfinden, da es nicht andauernd krachte und man kaum Luft holen kann. Zudem ist die Anzahl der gescripteten Ereignisse sehr groß. Hier wäre etwas mehr Zurückhaltung gut gewesen.

Positiv ist zu erwähnen, dass die Spawn-Wellen der Gegner zwar noch erkennbar sind, sie aber nicht so stark auffallen wie noch in CoD2 und 4. Die starke Gegenwehr der KI (die Gegner ballern immer aus mehr als einem Höhenlevel) sowie die durch Effekte überhäufte Grafik, lassen einem aber auch kaum Zeit sich um Respawn-Wellen zu kümmern.

Ein Punkt, der mir nicht so wichtig ist, betrifft den Tiefgang der Story. Manche Reviewer haben dies bemängelt, aber ich glaube bei einem Shooter geht man einfach nicht davon aus, dass die Story buchreif ist. CoD4 war hier sicher eine Ausnahme. Viel mehr stören mich die vielen Try&Error-Passagen. Hier muss man den richtigen Weg zum Fortgang der Mission finden und stirbt (gefühlte) 1000 Mal bis man weiß, wo das Script einen hinhaben wollte. In der Zwischenzeit raubt einem der übertrieben dargestellte Bloodscreen jede Sicht und schlußendlich auch einige Nerven. *ggrrhh*

Den kritischen Tönen habe ich aber auch Positives entgegenzusetzen. So entgleitet einem ein echtes "Wow", wenn man nach einer Türsprengung per Bullettime in den Raum stürmt und zwischen Qualm und Splittern angestrengt die Feinde ausfindig macht um sie gezielt auszuschalten. Sehr nett.
Ein anderes Beispiel ist die Eismission, in der man seine Maustastenkoordination unter Beweis stellen muss. Solche kleinen Specials gibt es leider viel zu wenig.



Für mich ist der Singleplayer ziemlich enttäuschend. Ein Modern Warfare ist nur schwer zu toppen, aber dem selben Hersteller sollte man sowas zutrauen. Leider geht die Story (oder das was man dafür halten will) in wirrer Erzählweise und einem einzigen Geballer unter.
Ich denke, dass nicht nur ich mir hier deutlich mehr erwartet hatte. Insbesondere weil die Eismission als Vorzeigebeispiel in den Previews herangezogen wurde. Man geht eigentlich nicht davon aus, dass die stärkste Mission bereits im Vorfeld gezeigt wird. Dies erzeugt die Vermutung, dass der Singleplayer noch besser inszensiert wurde als im Vorgänger. Am Ende des SP ist jedoch klar, dass dieses Ziel deutlichst verfehlt wurde. Und eigentlich wäre IW dazu in der Lage gewesen es besser hinzubekommen.

Achja: die Flughafen-Szene darf bei keinem Review außen vor bleiben. Um aber hier nicht wieder alles aufzukochen, was sowieso schon zig Mal erzählt wurde, möchte ich gern auf das sehr gute Video der Gamestar-Redaktion verweisen. Hier wird alles gesagt was es objektiv dazu zu sagen gibt. Ich schließe mich hier explizit den gemachten Aussagen an.
http://www.gamestar.de/news/pc/actio...warfare_2.html
Mein Statement lautet somit auch: absolut kranker Sch%&$ !


Nun geht also zum Multiplayer ...

OOOHHHAAA ... das ist ja 100% Konsole-Style. What the hell?! Ich werde den Multiplayer jetzt nicht zerreißen - ganz sicher nicht. Aber ich hab hier ja die Freiheit meine subjektive Meinung zu äußern und die ist eher nicht positiv. Was sich da auftut ist reines Geballer mit Unmengen an bedeutungsschwangeren Messages ala "Last Chance", „150+“, Ranking-Update-irgendwas usw.
Man wird praktisch zugeschüttet mit großen und kleinen Meldungen. Dauernd blinkt irgendwas auf dem HUD und eins ist somit sicher: wer Epilepsie-gefährdet ist, sollte MW2 nie im MP spielen!

Boohhh - erstmal den Kopf durchschütteln. Das hat so gar nichts mit dem Multiplayer-Part der vorherigen Teile zu tun. Und ist auch sehr weit weg von dem was man von CoD4 her kannte. Aber Infinity Ward hat damit sicher eins geschafft: der MP sieht nun auf Konsole und PC gleich aus. Toll! Hut ab!



Ok - 2. Anlauf und diesmal in einem anderen Spieltyp. Das Grundproblem - ARCADE pur <-- bleibt leider bestehen. Jedoch findet man sich nach einiger Zeit irgendwie ins Geschehen ein, so dass man sich besser orientieren kann. Die angesprochene Effekt-/Meldungsflut lernt man auch einiger Maßen zu ignorieren und konzentriert sich mehr auf die eigentliche Map und den Spieltyp. Apropos Spieltyp: es gibt in MW2 wirklich viele davon, aber sind es doch meißt nur Variationen von TDM, HQ usw. Im Grunde gibt es hier wenig Neues, was aber auch nicht wirklich schlimm ist. Solange die wirklich wichtigen Gametypes vorhanden sind ist die Gesamtzahl der Modies ja egal.

Eine Besonderheit von MW2 sind die zahlreichen Höhenlevel einer Map. In Favela und Quarry ist das gut zu erkennen. Die Übergänge sind fließend und die Maps werden dadurch "natürlicher". Soll heißen man kommt weg von einer klaren "Hier gehts lang"-Optik hin zu einem Szenario, wo man sich seinen Weg wirklich suchen muss. Favela ist hier erneut ein tolles Beispiel. Das erhöht die Anzahl der Möglichkeiten und reduziert die Anzahl neuralgischer Punkte auf der Map.

Die angebotenen 16 Maps bedienen sich verschiedener Settings wie Stadt, Wüste, Schnee, Elendsviertel usw. Die Map-Qualität schwankt dabei wie bei allen Shootern und je nach Spielweise hat man Lieblinge und Hassmaps. Für Abwechslung sollte somit vorerst gesorgt sein. Hier muss man nun aber auch bedenken, dass die einzige Abwechslung im MP über neue Spielmodes und/oder Maps zukünftig allein vom Hersteller als Download Content dargereicht wird. Das ist dann wohl auch der eigentliche Grund für die fehlenden Dedizierten Server und den Mod-Support. Immerhin ist das Activision-Management davon überzeugt (der Meinung), dass die Spieler zu wenig Geld für ihr Spiel ausgeben. Somit war dieser Einschnitt durchaus logisch.

Mein persönlicher Eindruck vom Multiplayer ist etwas zwiegespalten. Ich finde ihn auf der einen Seite nicht gut gemacht und mit Effekten, Meldungen, usw. völlig überladen, so dass mein Spielspaß auf der Strecke bleibt. Auf der anderen Seite macht es für die schnelle/gelegentliche Ballerrunde durchaus Spaß. In erster Linie profitieren hier wohl die so genannten Casual Gamer - also die Gelegenheitszocker. Für sie ist das Joinen auf einen Server nun einfacher geworden. Spieltyp angeben - warten - connecten - spielen. Gut is.

Am stärksten treffen die Einschnitte die Clans und sicher auch den eSport. Das neue System verhindert eigene Server mit angepassten Settings, was zugegebener Maßen von Einigen doch wieder als Vorteil empfunden wird. Die Problematiken des neuen Systems wie Ping-Schwankungen (bis hin zur Host-Migration), kein brauchbares Anti-Cheating-Tool, keine Screenshots, keine Demos usw. zeigen ganz deutlich, dass MW2 nicht für Clans und eSport ausgelegt ist. Es zielt in erster Linie auf die Gelegenheitszocker und da wiederum auf die Konsoleros ab.

Für mich als Clan-Spieler ein echtes Ausschlußkriterium. So leid mir das tut, aber die bewehrten CoD-Zeiten sind mit MW2 nun zu Ende gegangen. Zwar wird CoD7 wieder von Treyarch entwickelt, jedoch lässt sich Activision hier sicher nicht lumpen und wird den Jungs schon sagen wie sie sich den 7. Teil vorstellen. Sprich: mind. gleiche Beschränkungen wie bei MW2.
Aus Clansicht also eine ziemlich eindeutige Entwicklung. Sehr sehr schade, aber auch sehr sehr lukrativ für IW und Activision ...


Fazit:

Für mich steht als Fazit fest, dass "Modern Warfare 2" für mich keine Option ist. Der Gelegenheitszocker wird jedoch sicher seinen Spaß haben, allein schon weil er wesentlich länger braucht um sich hochzulevel'n. Am Ende ist alles eine Geschmacksfrage und/oder wie man zu den Ereignissen im Vorfeld und den Aussagen der Producer/Publisher steht.

Dank der vielen Spieleportale hat man vorm Kauf auf jeden Fall die Gelegenheit sich SP und MP per Video-Schnippsel näher anzusehen und danach zu entscheiden, ob man sich MW2 zulegen möchte. Da es sehr verschiedene Nutzergruppen (Spielertypen) gibt, kann ich auch kein eindeutiges Urteil bezüglich einer Kaufempfehlung aussprechen. Wenn ich mir die veröffentlichen News zu diesem Thema ansehe, ist dies wohl auch gar nicht mehr nötig.

Somit wünsche ich Allen die "Modern Warfare 2" gut finden viel Spaß damit und begebe mich selbst aber auf die Suche nach Alternativen.
So long ...
Torty
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