Hab mal für die Schule, als Hausaufgabe eine kleine Rezension zu Fight Club geschrieben. Ich poste sie hier mal, vielleicht hat ja jemand eine Meinung dazu:

It‘s only after we‘ve lost everything, that we‘re free to do anything! (Erst nach dem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zutun). Diese, oft zitierte, Aussage spiegelt die Grundaussage des Films perfekt wieder.
Aber was hat das ganze mit einem „Fight Club“, also illegalen, brutalen Boxkämpfen zutun? Nicht viel, so scheint es zumindest auf den ersten Blick. Aber bei „Fight Club“ ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Es ist mehr. Viel mehr.

Der namenlose Erzähler (Ein brillanter Edward Norton, der erneut mit seiner unfassbaren Wandlungsfähigkeit beeindruckt) , der sich allerdings oftmals als Jack bezeichnet, leidet an Schlafstörungen. Nichts besonderes mag man meinen, wenn man tagtäglich von Bekannten zu hören bekommt, wie schlecht sie geschlafen haben. Aber „Jack“ schläft gar nicht und wenn, wacht er manchmal an Plätzen auf, ohne zu wissen, wie er dahin gekommen ist. Daher vermutet ein ernstes neurologisches oder psychisches Problem. Sein Arzt beschäftigt sich aber nicht lange mit ihm und entgegnet seinem Selbstmitleid zynisch, dass er, wenn er wirklich wissen wolle, was Leid ist, mal eine Hodenkrebs-Selbsthilfegruppe, besuchen solle. Dies ist der Anfang. Jack kann der Sinnlosigkeit seines Daseins als Angestellter einer Autoversicherung und Konsumjunkie entfliehen und besucht immer mehr solcher Selbsthilfegruppen, in denen er sich völlig gehen lassen kann und er zum ersten Mal das Gefühl hat, dass man ihm und seinen Problemen Aufmerksamkeit schenkt ("Wenn Menschen denken, dass du stirbst, hören sie dir richtig zu."). Außerdem kann er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder schlafen. Doch als plötzlich eine gewisse Marla auftaucht, mit der Einstellung das diese Selbsthilfegruppen besser und billiger als Kino seien und man hier Kaffee umsonst bekommt, ist dieser Effekt dahin. „Jack“ erträgt es einfach nicht, dass jemand es ihm gleichtut und ebenfalls Selbsthilfegruppen besucht, obwohl ihm nichts fehlt, was dort behandelt wird.
Also gehen seine Probleme wieder von vorne los. Es scheint sich aber alles zu ändern, als er im Flugzeug einen gewissen Tyler Durden (Verkörpert von Brad Pitt, der einmal mehr beweist, dass er mehr kann, als nur gut aussehen). Dieser Tyler verkörpert alles, was sich „Jack“ wünscht und so ist es auch kein Zufall, dass ihn als erstes anruft, als seine, einem Ikea-Katalog gleichende Wohnung, Feuer fängt und nicht mehr bewohnbar ist.
Die beiden treffen sich und Tyler bittet „Jack“, der sich in den besagten Selbsthilfegruppen u.a als Cornelius, eine Anspielung auf „Planet der Affen“, vorgestellt hat, ihn auf einen Parkplatz zu schlagen. Diese Schlägereien häufen sich und durch das Gefühl „frei zu sein“, braucht der Erzähler den Effekt der Selbsthilfegruppen nicht mehr. Mit Tyler, bei dem er inzwischen eingezogen ist gründet er nun also den Fight Club. Eine Vereinigung in denen sich Geschäftsmänner, Kellner, Polizisten und andere unzufriedene Männer, Illegalerweise treffen um Boxkämpfe zu bestreiten. Dabei gibt es jedoch auch einige Regel. Die erste und wichtigste ist, dass nicht über den Fight Club gesprochen werden darf.
Mit dem Fight Club fängt es an und es entwickelt sich zum, von Tyler ins Leben gerufene, Projekt Chaos. Sein Ziel ist es alle Kreditkartenfirmen usw. in die Luft zu sprengen, damit alle Schulden erlöschen und jeder noch einmal von 0 anfangen kann. Denn erst wenn man alles verloren hat, hat man die Freiheit alles zutun....
„Jack“ hingegen distanziert sich von dem Projekt, da es ihm zu weit geht. Nach einiger Zeit wird ihm allerdings klar, dass er dieser Tyler Durden ist und er unter einer gespaltenen Persönlichkeit, d.h Schizophrenie leidet. Dem aufmerksamen Beobachter überrascht diese Auflösung vielleicht weniger, denn kleine, versteckte Hinweise, deuteten schon auf einen solchen Verlauf hin. (z.B stand „Jack“, wenn Tyler eine Ansprache hielt, immer nur still hinter ihm und lauschte andächtig dessen Worten oder, als Tyler „Jack“ in der Telefonzelle zurückruft, zoomt die Kamera auf einen Aufkleber, der besagt, dass keine eingehenden Anrufe angenommen werden können).
Mit einer Pistole schießt „Jack“ sich schließlich in den Mund, um so sein imaginäres Ich umzubringen. Er selbst überlebt mit schweren Halsverletzungen. Die Sprengung zahlreicher Gebäude kann er jedoch nicht mehr verhindern.

Zart besaitete Gemüter werden, bei Ansicht des Films, wohl einige Zeit mit der Hand vor dem Gesicht auf der Couch sitzen und nur hier und da einen kleinen, flüchtigen Blick wagen, wenn sich Pitt, Norton und Co. zu ihren Kämpfen treffen. Sicherlich kann man die dargestellte Gewalt als übertrieben ansehen und den Film als zu brutal einstufen, aber im kompletten Film wird nichts beschönigt und so ist es nur konsequent, dass auch die Gewaltdarstellung kompromisslos und schonungslos gezeigt wird.
Ein Kritiker bezeichnete den Film als „Macho Porn“. Wenn man so darüber nachdenkt, könnte da etwas dran sein. Es geht um harte Kerle, Alkohol, Schlägereien, stundenlangen Sex. Aber nur auf den ersten Blick. Und wie schon zu Beginn erwähnt, ist bei „Fight Club“ nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Wenn man diesen Film als „Macho Porno“ bezeichnet, lässt man die, zu keiner Zeit gezwungen wirkenden, philosophischen Ansätze völlig außer Acht. Mit einer gehörigen Portion Zynismus und Sarkasmus befasst man sich, auf satirische Art und Weise mit der konsumgeilen Gesellschaft, „die uns weiß machen will, dass wir alle Musiker, Filmstars usw. werden. Werden wir aber nicht.“
Kein Thema der heutigen Gesellschaft, ob nun die eben erwähnte Konsumsucht, Feminismus, Identitätsspaltung, Unzufriedenheit usw. , wird nicht beachtet. Und diese Themen werden auf eine solch intelligente Art behandelt, dass es quasi unmöglich ist, dem Film seine Qualität abzusprechen. Wie der Zuschauer, bevor Tyler Durden das erste mal offiziell auftaucht, schon auf ihn Aufmerksam gemacht wird ist absolut genial.
Manche Menschen sagen, dass ein Film erst dann zu einem guten Film wird, wenn man sich auch noch Jahre später an genannte Zitate erinnert. Wenn das so ist, handelt es sich bei Fight Club um einen sehr guten Film, bei dem von vorne bis hinten alles stimmt, ob nun die musikalische Untermalung, die, bis in die Nebenrollen, fantastische Besetzung oder der Handlungsverlauf. Möglicherweise kann man mit der Thematik nichts anfangen, aber auch wenn dem so ist, hat man mit „Fight Club“ einen Film geschaffen, den man sich unbedingt einmal ansehen sollte. Ach was, einen Film, den man sich unbedingt zweimal ansehen sollte.
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